Der Bär aus Bärlin - ein 250D W124 ex Taxi

Obwohl wir ja erst 4 Autos im Haushalt hatten, war irgendwie keines der Mobilien geeignet, um uns über Masuren nach Litauen zu fahren. Also suchte ich nach einem anspruchslosen, zuverlässigen und niedrigpreisigen Auto. Schnell kam ich auf einen W124 Diesel. Diese gute alte Trecker-Technologie kann im Zweifel fast jeder mit Hammer und Meissel wieder flott machen. Nach kurzer Suche haben wir unseren Urlaubswagen gefunden:

Ein 250D W124 exTaxi aus Bärlin



EZL 30.04.1990 von einem Herrn Werner Pfitzmann. Das Auto wurde bis 2007 von Familie Pfitzmann und einer weiteren Dame als Alleinfahrertaxi genutzt. Dann kam es in den Besitz des Verkäufers, der freundlicherweise für knapp 3000 EUR Investitionen vornahm.
Laufleistung beim Kauf war 599.100km - scheint plausibel anhand der Unterlagen und der Tatsache, das es ein Privat-Taxi war.

Ausstattung laut Datenkarte:

  • Aussen: 623 Hellelfenbein
  • Innen: 171 MB-tex schwarz
  • 260 Wegfall Typkennzeichen
  • 335 Tunnelverkleidung
  • 412 Schiebedach elektrisch mit Hubeinrichtung
  • 420 Automatisches Getriebe
  • 450 Taxi International
  • 466 Zentralverriegelung
  • 510 Radio Becker Mexico Cassette Vollstereo Elektronik Kurier LMKU (leider weg)
  • 550 Anhänger-Vorrichtung
  • 563 = 561+562 Fahrersitze links und rechts verstärkt
  • 583 Fensterheber elektrisch (Fahrertüren)
  • 671 = 670+673 Motor-Restwärmeausnutzung und Batterie mit größerer Kapazität für Länder mit tieferen Temperaturen
  • 830 Berlin Taxi International
  • 837 Gummimatten für Fahrer- und Fondboden
  • 932 Handregulierung für Batterieaufladung im Stand (soso, was immer das ist)
  • 933 Hinweisschild für Taxi
  • 934 Taxi-Notalarmgerät
  • 981 KFZ-Brief Wegfall und ohne ABE-Nr. auf Typschild für Inland-Fahreuge

Der Wagen lenkt, bremst, fährt sehr gut. Die Laufleistung ist ihm nicht anzumerken.
Ein paar kleine Roststellen an den Radläufen hinten hat er auch, aber nichts dramatisches. Der Kotflügel vorne links ist natürlich auch rostig. Die kleinen Zierstücke an den Radläufen hinten hat noch im Meilenwerk jemand geklaut :cursing:

Mit dem Bär sind wir nach Borki, Kaunas und Klaipeda gefahren, er strahlt so viel Solidität aus, das ich glaube, der fährt noch 600.000km.

An der EU-Aussengrenze bei Goldap:

Für die polnischen Strassen habe ich noch 4er Gummis vorne und 3er Gummis hinten verbaut, damit er noch etwas höher kommt. Und natürlich war der Lenkungsdämpfer (wie immer) toter als tot.

An der Memel in Litauen:

Die Anhängelast ist nun auf 1890kg hochgesetzt worden (Danke an TÜV-Nord und Zulassungsstelle Hannover) und ein paar andere kleine Bugs in den Papieren sind auch behoben.

Ab und an wird unser Bär nun im Stadtverkehr von Hannover bewegt, solange er noch mit seiner roten Plakette dort herumfahren darf.

Update 2009-01-01:
Seit 01.01.2009 muss der Bär leider draussen bleiben. Er kommt aber auf die Rote Liste der aussterbenden Arten. Wir werden ihn weiter pflegen

Update 2009-09-05:
Wir waren mal wieder im Urlaub im Baltikum. Unser Bär hat uns problemlos von Hannover bis Vilnius über die Kurische Nehrung und wieder zurück gebracht. Wir haben viele schöne Erlebnisse in den zwei Wochen Zentraleuropa gehabt. 


In unserem Urlaub am geografischen Mittelpunkt Europas, nörlich von Vilnius


Das Thomas-Mann-Haus auf der Kurischen Nehrung

Update 2010-01-09:
Seit Anfang 2009 wird über einen Dieselpartikelfilter (DPF PM2) der Firma Deißler gesprochen. Dieser DPF ist auch entwickelt, hat alle Prüfstandsläufe geschafft und würde die Diesel der Baureihe W124 auf "grün" bringen. Es scheitert lediglich an der Zuteilung der ABE durch das Kraftfahrtbundesamt in Flensburg.
Schade - wieder einmal reden wir über verpasste Chancen. Vielleicht schafft es die Behörde ja bis zum 20. Geburtstag von unserem Bären im Frühjahr 2010.
Mittlerweile 615.000km können nicht irren. Das ist gelebte Schonung von Ressorcen.

Umweltfreundlich, weil in 20 Jahren nur einmal hergestellt.

Update 2011-05-31:
Mittlerweile ist unser Reisebericht über die Tour nach Ostpreussen eingescannt und online. Hier könnt ihr ihn nachlesen:                          Taxi nach Klaipeda               .


2011-05-31
Frank Kellewald